Sportbuch 01/2017: Fussballgefühle auch in der Winterpause

Beschlossen ist beschlossen: 2017 geht es weiter mit dem Sportbuch. Ich werde weiter 1 Buch pro Monat vorstellen, dass sich hauptsächlich mit Sport beschäftigt. Ich habe im letzten Jahr viel mehr Sportbücher gelesen, als ich vorstellen konnte. Damit ihr nun auch die anderen Bücher kennen lernt, geht es weiter. Es sind definitiv ein paar Highlights dabei. Heute allerdings nicht. 

Axel Hacke hat ein kleines Büchlein mit dem Titel Fußballgefühle geschrieben, welches ich während der abgelaufenen Saison mal zwischengeschoben hatte. Das ich mich bemühen muss, mich an manche Inhalte zu erinnern, sagt wohl doch einiges über das Buch aus.

Ein großes Problem des Buchs liegt wohl daran, dass ich mich mit Axel Hacke im Bezug auf Fußball nicht identifizieren kann. Er stellt selbst, dass er kein Fan ist und Fußball eher distanziert betrachtet. Bei mir ist das nicht der Fall. Fußball ist eine Leidenschaft, etwas was ich bewusst nicht distanziert betrachte, da ich in vielen anderen Bereichen des Alltags professionell Distanz waren muss. Fußball und das Stadion sind für mich immer schon ein Umfeld, wo diese Grenzen wegbrechen. Entsprechend fühle ich mich von vielen Passagen nicht angesprochen, in denen Axel Hacke über seine eigenen Erfahrungen schreibt. Es ist mir zu oberflächlich und zu distanziert.

 

Hatte mehr erwartet. Mir oft zu oberflächlich. Wenig, was mich berührt. #Fussballgefühle #AxelHacke #Kunstmann #Fussballbuch

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Auch als Faktensammlung taugt das Buch nicht und so sind es am Ende die Passagen, in denen Axel Hacke seine Beobachtungen über andere darlegt, die mich am meisten faszinieren. Die Begegnung mit Chelsea Andy und seine Begegnungen während der WM in Frankreich sind mir dauerhaft im Gedächtnis geblieben. Für so ein Büchlein dann doch eher eine magere Ausbeute. Ganz nett aber nicht fesselnd. Im Zweifel ist das Holger Gertz‘ Buch über das Verlieren eher zu empfehlen. Wem im Winter langweilig ist und das Buch in die Hände fällt, kann es trotzdem lesen. Es wird dadurch nichts kaputtgehen. Ich werde es wahrscheinlich jedoch nicht noch mal in die Hände nehmen. 

2016 – Die Besten

Und schon wieder ist ein Jahr zu Ende gegangen. Ich habe viel gelesen, etwas Musik gehört (nicht genug) und das ein oder andere Konzert besucht. Auch die Glotze ist ein wichtiges Objekt. Meine Highlights aus 2016 will ich euch nicht vorenthalten: 

Bücher

Ich habe über das Jahr hinweg 12 Sportbücher vorgestellt. Mein Favorit war Paul Lakes Geschichte, die mir Manchester City näher gebracht hat. Zwischendurch habe ich auch Krimis und Thriller gelesen und war von Cody McFadyens Mennschenmacher und Erik Axl Sunds Scherbenseele sehr angetan. Ich will von beiden Autoren weitere Bücher lesen und werde mich von den Klappentexten nicht abschrecken lassen. Zudem fand ich Alain de Bottons Kunst des Reisens sehr toll. Ich habe mich dort wiedergefunden. Klang erst langweilig, war aber überaus faszinierend. 

Musik

Musikalisch haben mich Künstler am meisten geprägt, die ich auch live erleben durfte. Dies waren sowohl Jeremy Loops, als auch Kids of Adelaide. Dieses etwas folkige, trotzdem tanzbare und mitreißende hat mich am meisten mitgenommen. Dazu für mich Comeback des Jahres von den Beginnern. Live in Offenbach gesehen und heftig abgefeiert. Ich sehe für den Beginn von 2017 viel Hip Hop vor mir. 

Serien

Die Kategorie „Filme“ gibt es schlicht und einfach nicht. Kaum ins Kino gekommen. Kaum zu Hause Filme angeschaut. In 2016 dem Drang zu Netflix nachgegeben. Die besten Serien waren Last Chance U, The Walking Dead, Nashville und Black List. Gerne spannend, nicht brutal und mit grandios gezeichneten Charakteren. Und wir laufen nicht dem letzten Trend hinterher. Gibt noch viel, was wir schlicht und einfach nicht gesehen haben. 

Games

Zum Abschalten nach harten Tagen schalte ich immer noch regelmäßig die Playstation ein. Multiplayer Koop hat mir langfristig noch kein Spiel so viel Spaß gemacht wie Destiny. Ich habe keine Ahnung wie viele DLCs hier noch kommen sollen, aber es kann nicht genug geben. Ansonsten hat mich die Story bei Fifa 17 einige Zeit gut beschäftigt und auch Madden 17 hält mich mit diversen unterhaltsamen Spielmodi auf Trab. 

Reisen

Darüber wollte ich eigentlich schon lange separat geschrieben haben. Tipps geben und ein paar Eindrücke beschreiben. Wir waren in Katwijk an Zee und in Reutte im Tirol. Beide Orte sind eine Reise wert auch mit kleinen Kindern. Sehr unterschiedliche tolle Landschaften, die man erkunden kann und wer die Tiroler Küche nicht mag, dem ist nicht mehr zu helfen. Kommt an dieser Stelle allerdings alles nicht an Liverpool ran. Neben dem Fußball eine tolle Stadt an der Merseyside, die neben Pubs viel zu bieten hat. Beatles, Kathedralen und Wasser. Beste Voraussetzungen für den Trip des Jahres 2016. 

Ein Jahr geht schnell vorbei, wenn man der eigenen Tochter beim Wachsen zuschauen kann. Da bleibt wenig Zeit für weitere Events. Fußball spielt immer noch eine große Rolle bei mir und ich begleite den FC Augsburg hier

Was steht für 2017 an? Wer weiß das schon genau? Wir planen und lassen uns dann vom Leben überraschen. 

Sportbuch 12/2016: Der Weg ist das Ziel – warum man auch verlieren können muss

In diesem Jahr gab es ein Buch, dass bei mir durch die Thematik und den Autor sehr viel Vorfreude ausgelöst hat. Holger Gertz schreibt seit vielen Jahren für die Süddeutsche Zeitung und ich habe mir schon Seite 3 Reportagen von ihm abgerissen, um diese sicher zu verwahren. Seine Arbeiten zu Kurt Landauer sind mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Allerdings hat es die Süddeutsche Zeitung bei uns nicht mehr regelmäßig geschafft, die Zeitung pünktlich auszuliefern. Unser Wochenendabo haben wir daraufhin gekündigt. Wenn mir ab und zu dennoch ein Text von Holger Gertz in die Finger gekommen ist, habe ich mich gefreut, denn Holger Gertz hat einen ausgeprägten Blick fürs Detail und verpackt seine Beobachtungen sprachlich sehr gekonnt. Als ich mitbekommen habe, dass Holger Gertz ein Buch zusammengestellt hat, war ich daher sehr erfreut. Das Thema des Buchs ist dazu aus meiner Sicht ein Volltreffer. Das Buch trägt den Titel Das Spiel ist aus: Geschichten über das Verlieren. Im Sport gibt es kaum etwas interessanteres, wie es zu Niederlagen kommt und wie Menschen damit umgehen. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich schwieriger ist mit Niederlagen umzugehen, aber das Thema ist mindestens genau so spannend, wie Gewinner und ihre Siege zu betrachten. 

 

Nun darf man bei dem Buch keine falschen Vorstellungen haben. Holger Gertz hat vorher schon veröffentlichte Reportagen, die zum Motto des Buchs passen, zusammengefasst. Er will auch keinen Gesamtüberblick über die Thematik geben oder erhebt Anspruch auf Vollständigkeit. Er hat die Geschichten in gewisse Kategorien einsortiert; die Sortierung habe ich nicht verstanden. Die Interpretation der Geschichten bleibt zudem jedem selbst überlassen. Holger Gertz beschreibt, was er selbst sieht. Er ist sehr dezent, wenn er seine Beobachtungen eine Geschichte zuordnet. Diese muss sich aus den Fakten und Ereignissen im Zweifel selbst ergeben. Entsprechend verfügt das Buch über keinen roten Faden. Zudem wirken einige der anfänglichen Reportagen wie „Goleadors Erbe“ über das Leben des Hans Krankl nach Cordoba oder „Zettels Traum“ über das Wirken von Rolf Töpperwien banal und unbedeutend. 

Das Buch schafft es allerdings in der Mehrheit der Reportagen zu verzaubern oder zu rühren. Geschichten wie „Lebenslauf“ über den amerikanischen Sprinter Marty Glickman sind eine lebendige Warnung dem Antisemitismus keinen Fußbreit Platz zu lassen. „Tor in Pjöngjang“ über Marcel Reifs Reise nach Nordkorea, „Celle, angolanisiert“ über den Aufenthalt der angolanischen Nationalmannschaft 2006 in Celle und „Sechster Ring aus Sachsen“ über das Auftreten der Bundeslands Sachsen bei den Winterspielen in Turin entführen in Parallelgesellschaften. „Heldendämmerung“ über das Leben des WM-Helden von 54 Werner Kohlmeyer, „Morgengrauen“ über die persönliche Geschichte der Schwimmerin Karen James bei den olympischen Spielen 1972 und auch „Ende Legende“ über das Karriereende von Franziska van Almsick zeigen auch wie erfolgreiche Personen an Druck scheitern können und stellen Warnungen dar. Holger Gertz würde diese Geschichten nie als Warnung beschreiben, dennoch habe ich früh gelernt, lieber aus den Fehlern anderer zu lernen als aus eigenen. Der genaue Blick von Gertz auf Details kann als Empathie missverstanden werden, wo er doch die Geschichten nur ausbreitet und dem Leser das Urteil überlässt. Mich ergreift das. Die sprachliche Gewandheit von Gertz ist beeindruckend, wobei er sich in Phasen etwas zu sehr verliert. Man möchte im dann vom Spielfeldrand zurufen: „Einfachheit ist Trumpf. Verdribble dich nicht.“. Dennoch sind auch diese Passagen, wie so manches Dribbling in der Realität, schön anzusehen, wenn sie schon keinen Mehrwert bieten. 

Ich jedenfalls habe das Buch gerne gelesen und bin froh, manche der Reportagen auch in der Zukunft nochmal nachlesen zu können. Auf diesem Wege geht so manche eindrucksvolle Geschichte nicht verloren. 

Mit diesem Buch endet mein Sportbuchjahr 2016. 12 Sportbücher habe ich euch über das Jahr hinweg vorgestellt. Welches hat euch am besten gefallen, welches habt ihr selbst gelesen? Soll es weitergehen? Wir werden was 2017 für uns bereithält. 

Sportbuch 11/2016: What about Manchester City?

Während die italienische Serie A seit meiner Jugend deutlich an Strahlkraft verloren hat und es in Spanien immer nur auf ein Titelrennen zwischen 2-3 Vereinen hinausläuft (ja, ich weiß, dass es in Deutschland auch nicht besser ist), ist die Premier League wohl momentan die spannendste Liga mit dem größten Wettbewerb zwischen den Topvereinen in Europa. Dabei sind einige Vereine im Ausland bekannter oder beliebter als andere. Manchester United oder auch Arsenal London waren neben dem FC Liverpool schon länger bekannt, wohingegen Chelsea (früher) oder Manchester City (vor kurzem) in meiner Wahrnehmung erst wachsen mussten. Ich als Augsburger habe im Frühjahr einen kleinen Ausflug in der Europa League an die Anfield Road unternommen und in diesem Zusammenhang einen Second Hand Buchladen nach Fußballbüchern durchstöbert. Ich musste mich zurückhalten, um nicht zu viele Werke zu erstehen, denn zum Lesen muss man schlussendlich ja auch kommen. Eines dieser Bücher hat mir Manchester City sehr viel näher gebracht und ich bin froh es dort aufgetrieben zu haben.

 

Es geht um die Biografie von Paul Lake mit dem Titel I’m not really here – A Life of two halves. Paul Lake war ein hoch veranlagter Jugendspieler von Manchester City mit dem Traum, diesen Club über lange Jahre als Profi zu vertreten. Am Ende kam es anders als geplant und viele Verletzungen bzw. die falsche Behandlung derselben haben seine Profikarriere verkürzt. Zwischen 1990 und 1996 hat er für die Citizens im Profibereich gespielt und war am Ende Kapitän und Identifikationsfigur. Im erweiterten Kader der englischen Nationalmannschaft hat es nur zu einem Auftritt in der B-Elf gereicht. „Nur“ deshalb, weil Lake wohl das größte Talent in vielen Jahren war, dass City hervorgebracht hatte. Die Hoffnungen, die mit seiner Karriere verbunden waren, gingen weit über das erreichte hinaus. 

Umso ergreifender ist es, dass Paul Lakes Buch sehr persönlich geschrieben ist. Es gibt viele Einblicke in das Leben eines Profifußballers und hinter die Kulissen bei Manchester City. Auch die Geschichte des Clubs kommt genau wie die Entwicklungen nach Lakes Abschied aus der Profimannschaft nicht zu kurz. Der Investoreneinstieg und die positiven Entwicklungen, die damit verbunden waren, werden am Ende dargestellt. Wer abseits des persönlichen Schicksals von Paul Lake diesen Club näher kennen lernen will, ist bei diesem Buch genau richtig. Sein Lebensweg ist dabei nicht minder beeindruckend und bietet eine interessante Perspektive auf den Profifußball in den 80er und 90er Jahren. Nach einigen Längen zu Beginn habe ich das Buch später kaum mehr aus der Hand gelegt. Das Durchhalten hat sich gelohnt. Ich kann es nur weiterempfehlen. 

Miss Milla und die Suche nach den besten Indietiteln

Was meine Musikauswahl angeht bin ich gerade auf Sequel-Wegen unterwegs. Gerade erst ist die zweite Platte von Impala Ray heiß gelaufen, schon folgt Miss Milla 2 direkt auf dem Fuße. Über den ersten Sampler hatte ich vor einer guten Weile schon geschrieben. Neben seiner Expertentätigkeit im deutschen Fernsehen beschäftigt sich Mehmet Scholl anscheinend immer noch leidenschaftlich mit Musik und präsentiert seine liebsten Indietitel auf einem weiteren Sampler. Nun finde ich nicht alles gut oder aufregend, was sich auf dieser CD befindet. Manche Dinge finde ich schlicht langweilig. Aber für einige Highlights bin ich Mehmet Scholl sehr dankbar. Diese will ich nicht länger für mich behalten:

Edward Sharpe & The Magnetic Zeros kannte ich vorher gar nicht. Durch den Track auf dem Sampler habe ich angefangen zu googeln und bin auf überragende Live-Videos gestoßen. Mit einem Whiskeyglas in der Hand bin ich davor verharrt und konnte mich nicht mehr abwenden. So großartig:

Bei JJ & the Pillars knallt es dann etwas mehr. Sicher eine der rockigeren Bands auf dem Sampler, aber z.B. The Wolves passt halt auf jede Pregame-Tracklist oder auf die Playlist fürs Fitnessstudio. Zumindest bei mir geht das sehr gut zusammen. Das JJs Stimmfarbe zudem etwas äußert raumergreifendes und machtvolles hat, kommt da gerade recht. Werde bzgl. der Jungs direkt mal weitere Recherchen anstellen müssen:

Der letzte Interpret der mich überrascht und begeistert hat, ist mir etwas unangenehm. Er produziert vollkommenen Kitsch und Pop. Ich sehe die Indieelemente kaum mehr. Es ist etwas folkig. Aber eigentlich ist es Pop. Sehr guter Pop. Adam Cohen hat eine großartige Stimme und ein unglaubliches Gefühl für Melodien. Von Mehmet Scholl als Rausschmeißer ans Ende des Samplers gepackt, versteckt sich hier eine echte Perle. Lagerfeuerabende, alle singen mit und schauen in die Flammen. Es wird Zeit, dass diese Sommernächte wiederkehren.

Einlegen, bei manchen Songs auf Skip, bei anderen auf Repeat drücken. Manche Künstler im Hinterkopf behalten. Sich freuen, über die ganze musikalische Vielfalt, die es gibt. Mehmet Scholl für seine offensichtliche Synthesizer-Liebe verfluchen. Selber wieder feststellen, dass weniger Elektronik oft mehr ist. Es hat Spaß gemacht. Weiter mit mehr Musik. Ist meistens besser.