Neue Musik 02/2017: Zeit für den nächsten Road Trip

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich gerne Musik höre, die folkige Elemente enthält. Jeremy Loops ist dafür nur ein Beispiel. Diesmal heißt das Ganze offiziell Elektro-Folk. Was soll man darunter verstehen? Talisco arbeitet auf Capital Vision mit Samples und hinterlegt damit seinen ursprünglich gitarrenlastigen, folkigen Sound. Mir war Talisco bis dato kein Begriff. Der Franzose hatte derweil wohl vor ein paar Jahren mit „Your Wish“ einen Hit und tourt seitdem mit seiner Musik durch die Welt.  Wenn man dann den Titel zum ersten Mal hört, dann fragt man sich, warum man erst jetzt von dieser Kombination aus elektronischen Samples und Gitarrenmusik hört. 

Die elektronischen Samples verpassen seiner Musik den nötigen Punch. Die Beats treiben die Songs an. Man hört auch die Sonne, denn der Sound ist warm und positiv. Wir haben in der Zwischenzeit Urlaub auf einer Insel gebucht und Taliscos neues Album wird mich in diesem Urlaub sicher begleiten. Ich kann mir kaum bessere Musik für einen Road Trip vorstellen. 

Einzig, dass manche seiner neuen Songs noch nicht genügend Zug und Tempo haben, kann man Talisco dabei vorwerfen. Derweil befinde ich mich selbst in einer Phase von Rastlosigkeit und Songs wie „Before the Dawn“ oder „Behind the River“ lassen mich wartend auf die nächste schnellere Nummer zurück. Andere Nummern wie „Loose“ bringen das Album zurück in die Spur. Langweilig oder eintönig sind dabei die falschen Adjektive. Einfallsreich, vielseitig und inspiriert treffen es besser. 

Liebe Leute, das Album macht richtig viel Spaß und Talisco werde ich im Auge behalten. Ich glaube sogar beobachten zu können, dass die Sonne hinter den Wolken hervorlugt, wenn ich etwas lauter drehe. 

Sportbuch 02/2017: Warum Robert Enke so wichtig ist

Diese Reihe legt ja keinen Wert auf Tagesaktualität. Ronald Rengs Buch über Robert Enke Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben lag hier einige Jahre im Regal. Irgendwie fehlte mir die Muße mich auf dieses Buch einzulassen. Ich hatte Vorurteile. Ich spreche auch regelmäßig mit anderen Menschen über den aktuellen Lesestoff und die Reaktionen waren oft eher ablehnend so nach dem Motto: Warum liest Du in deiner Freizeit so etwas trauriges. Versteht mich nicht falsch, das Buch enthält todtraurige Passagen. Aber zuerst ist es ein wunderbares Buch über einen Menschen, den ich gerne kennengelernt hätte. 

 

Ein Sneak Peak auf das Sportbuch 2017. Februar oder März kommt dann der Langtext. #Sportbuch2017 #Fussballbuch

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Ronald Reng ist ein tolles Buch gelungen, dass eventuell die beste Sportlerbiografie meiner Kenntnis ist. Das Buch profitiert enorm vom persönlichen Kontakt des Autors mit dem Sportler, der wirklich eine persönliche Beziehung darstellte und nicht nur oberflächlich war. Reng gelingt es diesen persönlichen Kontakt ins Buch einfließen zu lassen. Zudem ist er wohl einer der begabtesten Sportautoren der Gegenwart und schafft es die Fakten und Vorgänge rund um das Leben und die Karriere von Robert Enke mit seinem journalistischen Blick einzuordnen und in einen Gesamtkontext zu setzen. 

Neben dem Leben von Robert Enke bekommt man einen tollen Einblick in die Vorgänge bei Benfica Lissabon, Barca, Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Insgesamt hat Ronald Reng einen enormen Blick für das Fußballgeschäft an sich. Robert Enke steht dabei immer im Vordergrund. Die Karriere eines der besten deutschen Torhüter der letzten 20 Jahre, der sich v.a. auf einer persönlichen Ebene immer positiv von den Kahns und Lehmanns abgehoben hat. Das genau diese überaus sympathische Person an der Krankheit Depression zerbrochen und gescheitert ist, weil eventuell auch der öffentliche Druck einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten nicht zulässt, ist immer noch überaus tragisch. Derweil sollte uns allen das Buch helfen, die Krankheit Depression als genau das anzuerkennen: eine Krankheit. 

Immer noch leben in Deutschland wohl viele Menschen mit dem Geheimnis einer psychischen Krankheit und trauen sich nicht, diese gegenüber Freunden und Familie zu offenbaren. Dagegen sollten wir gemeinsam weiter vorgehen. Die Robert Enke Stiftung geht hier voran und unterstützt Projekte, die sich auf die  Aufklärung und Erforschung von Depression konzentrieren. Diese Arbeit ist immer noch von enormer Wichtigkeit.

Jedem Fan sollte dabei die eigene Rolle im Stadion bewusst sein. Wie mit Fußballspielern umgegangen wird, ist nicht mit sozialem Verhalten erklärbar. Assoziale Beschimpfungen können in Stadien auch heute noch regelmäßig beobachtet werden. Lasst uns alle dazu beitragen, dass diese in Stadien aussterben. Sprecht sie offen an und toleriert sie auch bei anderen nicht. Unterstützt euer Team und eure Spieler. Das nächste Bier geht dann auf mich, egal von welchem Verein ihr ein Fan seid.  

Neue Musik 01/2017: Fetter Sound von den Giant Rooks

Mittage am Wochenende verbringe ich gerne damit, Texte für diesen Blog oder die Rosenau Gazette zu schreiben. Dabei springe ich von Musikvideo zu Musikvideo. Oft höre ich Künstler, die ich schon länger verfolge, bleibe bei einem Abba Livemitschnitt hängen und schon wacht meine kleine Tochter wieder auf und will die Affenbande hören. Manchmal stolpere ich dabei über Künstler, die mir vorher noch nicht begegnet sind und die mich faszinieren. So ging es mir mit Jeremy Loops oder auch mit Impala Ray. In (sehr) unregelmäßigen Abständen will ich euch Musik vorstellen, auf die ich neuerdings gestoßen bin und werde das ganz uncharmant „Neue Musik“ nennen und je Jahr durchnummerieren. Ich mag nun mal Ordnung ganz gerne. Los geht’s. . 

Als erstes will ich euch die Giant Rooks ans Herz legen. Die Newcomer Band hat gerade mit New Estate ihre erste EP veröffentlicht und diese lief nun diese Woche in einer Dauerschleife bei mir. Es sind nur fünf Songs, aber alleine der Titelsong hat unfassbares Ohrwurmpotential. Wie soll man diese Musik beschreiben? Englischsprachiger Indie Pop, mit einer starken Gitarre, dicht arrangiert, mit eindringlichem Gesang.  

Ich finde das Soundgemisch sehr schön. Es ist die Musik, die ich gerne höre, wenn ich mit dem Zug durch das Land fahre und aus dem Fenster schaue. Diese jugendlich-melancholische Note, die durchtränkt ist von großem Optimismus bzgl. des Lebens im generellen und seinen kleinen sehr schönen Details, lässt mir das Herz aufgehen. Ich schließe die Augen und höre zu, lasse mich verzaubern. 

Was mich dabei kurios umtreibt, ist die Frage, ob sich diese Musik auch live so umsetzen lässt. Ich zweifele. Nichtsdestotrotz, danke ich den Giant Rooks für einige schöne Momente in diesem Winter, in denen sie mich positiv gestimmt haben. Ein ganzes Album würde ich mir gerne anhören. Her damit! Mehr davon! 

Wie Gregor Meyle in eine Paralleldimension entschwebte

Mir ist vor kurzem das aktuelle Album Die Leichtigkeit des Seins von Gregor Meyle in die Hände gefallen. Ich mag dessen Musik manchmal sehr gerne und habe mich auch schon mit seinem letzten Werk beschäftigt. Dem ist diesmal nicht so. Mit vielen Streichern (Alles wird gut) und mit Popbeats (Da geht noch mehr) ist die Botschaft immer positiv. Es geht darum Tage zu genießen, mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind und das Beste aus dem zu machen, was einem das Leben gibt. 

Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, aber in der Gesamtheit holt mich diese Musik im Moment nicht ab. Wo sind die Tiefen im Leben, die die Höhen erst zu diesen machen? Es ist gut möglich, dass es Menschen gibt, die genau diese weichgespülten Lieder von Gregor Meyle als sein bestes Werk feiern, nachdem sie ihn in der Helene Fischer Show „entdeckt“ haben. Diese werfen einem vielleicht dazu noch eine Textzeile von Gregor entgegen: 

„Hör auf dich zu beklagen, hör nie auf zu lieben, so weit, so gut.“ 

Das geht aber gerade nicht. Ich mache mir Sorgen, wohin sich dieses Land und diese Welt bewegen. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer und bewirkt gerade, dass diese Tendenzen überhaupt auftreten. Es gibt einen relevanten Anteil an Menschen, die an einfache Lösungen glauben und die Komplexität der Welt nicht wahrnehmen. Und während Gregor Meyle, die Wahrheit noch nicht akzeptieren kann (Die Tapfere). höre ich auf das beste Lied seiner Platte und pack mein Scheiß. Nehme meinen Hut und höre wieder Musik, die mich mehr mitnimmt. Leute, die den Kampf annehmen. Leute wie Laas Unltd

Es wird wieder dunkler. Ich habe das zuerst auch nicht wahrhaben wollen. Jetzt begleitet mich dieser Gesamteindruck, auch mit der Musik durch die Tage. Und vielleicht trifft man an einer späteren Kreuzung des Lebens Gregor Meyle wieder und tauscht Erfahrungen aus.

Sportbuch 01/2017: Fussballgefühle auch in der Winterpause

Beschlossen ist beschlossen: 2017 geht es weiter mit dem Sportbuch. Ich werde weiter 1 Buch pro Monat vorstellen, dass sich hauptsächlich mit Sport beschäftigt. Ich habe im letzten Jahr viel mehr Sportbücher gelesen, als ich vorstellen konnte. Damit ihr nun auch die anderen Bücher kennen lernt, geht es weiter. Es sind definitiv ein paar Highlights dabei. Heute allerdings nicht. 

Axel Hacke hat ein kleines Büchlein mit dem Titel Fußballgefühle geschrieben, welches ich während der abgelaufenen Saison mal zwischengeschoben hatte. Das ich mich bemühen muss, mich an manche Inhalte zu erinnern, sagt wohl doch einiges über das Buch aus.

Ein großes Problem des Buchs liegt wohl daran, dass ich mich mit Axel Hacke im Bezug auf Fußball nicht identifizieren kann. Er stellt selbst, dass er kein Fan ist und Fußball eher distanziert betrachtet. Bei mir ist das nicht der Fall. Fußball ist eine Leidenschaft, etwas was ich bewusst nicht distanziert betrachte, da ich in vielen anderen Bereichen des Alltags professionell Distanz waren muss. Fußball und das Stadion sind für mich immer schon ein Umfeld, wo diese Grenzen wegbrechen. Entsprechend fühle ich mich von vielen Passagen nicht angesprochen, in denen Axel Hacke über seine eigenen Erfahrungen schreibt. Es ist mir zu oberflächlich und zu distanziert.

 

Hatte mehr erwartet. Mir oft zu oberflächlich. Wenig, was mich berührt. #Fussballgefühle #AxelHacke #Kunstmann #Fussballbuch

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Auch als Faktensammlung taugt das Buch nicht und so sind es am Ende die Passagen, in denen Axel Hacke seine Beobachtungen über andere darlegt, die mich am meisten faszinieren. Die Begegnung mit Chelsea Andy und seine Begegnungen während der WM in Frankreich sind mir dauerhaft im Gedächtnis geblieben. Für so ein Büchlein dann doch eher eine magere Ausbeute. Ganz nett aber nicht fesselnd. Im Zweifel ist das Holger Gertz‘ Buch über das Verlieren eher zu empfehlen. Wem im Winter langweilig ist und das Buch in die Hände fällt, kann es trotzdem lesen. Es wird dadurch nichts kaputtgehen. Ich werde es wahrscheinlich jedoch nicht noch mal in die Hände nehmen.